Ein Roman entsteht

Wie entsteht ein Roman? Erste Überlegungen.

Ich wollte einen Krimi schreiben, das war von Anfang an klar. Auf den Gedanken, dies in die Tat umzusetzen, kam ich, als ich die Bücher von Jussi Adler Olsen gelesen hatte. Der Schreib- und Erzählstil dieses Autors fesselte und inspirierte mich. Bei meinen ersten Versuchen habe ich einfach drauflosgeschrieben und dann alles wieder gelöscht. Eine Story, die Autoren sprechen vom „Plot“ hatte ich mir zwar überlegt und auch handschriftlich aufs Papier gebracht, allerdings ohne jede Struktur. Aber anfängliche Fehler sollten einen „Jungautoren“ nicht entmutigen. Also alles wieder weggeworfen und von vorne angefangen.

Wie entstand der Krimi Witwentod? Der Plot. Das Diagramm.

Ich habe die Handlung, die mit einem Mord beginnen sollte, zuerst handschriftlich zu Papier gebracht. Allerdings wusste ich da noch nicht, wer der Mörder der Witwen sein könnte, darauf komme ich später zurück. Dann habe ich ein „Diagramm“ erstellt. Ganz einfach eine Excel-Tabelle, linke Spalte mit der Kapitelnummer, in der Mitte die Handlung und in der rechten Spalte Platz für Bemerkungen. Bis Kapitel 10 habe ich die Handlung, den Ablauf stichpunktartig erfasst, Namen erfunden, Handlungsorte gesucht, im Internet Straßennamen recherchiert usw… Sehr wichtig ist das Diagramm, der rote Faden. Obwohl die ganze Story um Kopf herumschwirrt, ist schnell vergessen, wer was in Kapitel sieben gemacht hat. Da ist es sehr hilfreich, kurz ins Diagramm zu schauen, dort ist die Handlung erfasst. Natürlich könnte im Manuskript nachgesehen werden, aber nochmal alle Seiten lesen?

Es geht los! Das erste Kapitel, der erste Absatz.

Ich verzog mich in mein Gartenhaus. Dort schreibe ich besonders gerne, denn die Stille und Abgeschlossenheit hilft mir bei der Konzentration. Tja, jetzt saß ich vor dem Notebook, das Diagramm lag ausgedruckt vor mir und eine leere, weiße Seite mit Nummer 1, die mit Buchstaben gefüllt werden wollte, leuchtete auf dem Monitor. Ich finde, es ist etwas „Erhebendes“, wenn der erste Absatz entsteht. Wort reiht sich an Wort und ergeben Sätze. Ich begann mit der Schilderung des Tatortes. In einem Kino findet jemand eine ältere Dame, die in Reihe drei sitzt und schrecklich entstellt ist. Sie ist tot. Nach zwei Stunden Schreiben hatte ich drei Seiten geschrieben, die ich mindestens fünf Mal wieder überarbeitet hatte. Am folgenden Tag, bzw. am Abend des Folgetages setzte ich mich vor das Notebook, las den Text und korrigierte ihn nochmals. Dann begann ich mit Kapitel zwei. So reihte sich Kapitel an Kapitel.

Das Ende des Romanes? Bin ich fertig?

Es wurden 27 Kapitel und 330 Seiten im Format eines Taschenbuches. Dafür habe ich ungefähr vier Monate Zeit benötigt. Die Stunden des Schreibens sind ungezählt. Sicherlich habe ich die Handlung während des Schreibens einige Male umgestellt und neu erfunden. Der zuvor im Diagramm erdachte und festgelegte Mörder der Witwen wurde letztendlich zum Statisten degradiert und ein Heiratsschwindler. Mehr will ich nicht erzählen. Das Diagramm, das mir eine sehr gute Hilfestellung während des Schreibens gab, hatte ich mehrmals an die Geschichte angepasst.

Korrektur des Textes. Wer liest zuerst? Und wer druckt das Buch? Cover?

Sehr hilfreich ist es, den Roman in Papierform zu korrigieren. Bestenfalls in dem Format, wie er erscheinen soll. Also habe ich mir im Internet einen Verlag gesucht, der das Taschenbuch druckt. Bei epubli wurde ich fündig. Ich musste allerdings den gesamten Text in das zu druckende Format bringen, dies dauerte mindestens zwei Tage. Dabei korrigierte ich nochmals den Text und stellte ihn um. Natürlich benötigte ich ein Cover einen Buchumschlag, oder sollte ich eine Vorlage des Verlages wählen, es standen einige zur Auswahl. Ich entschied mich für ein Eigenes. Aufpassen! Keine Bilder irgendwo im Internet runterladen, bitte unbedingt darauf achten, dass keine Urheberrechte an Fotos verletzt werden. Ich fand bei fotolia das geeignete Bild und gestaltete den Buchumschlag mit einem Grafik- und Bildbearbeitungsprogramm, wandelte ihn in das pdf-Format um.

Alles bei epubli hochladen, ansehen und drucken lassen! Fertig!

Freude, Ernüchterung. Das Buch ist gedruckt.

Ich werde den Tag, als ich das Taschenbuch in der ersten Ausgabe gedruckt in Händen hielt, nicht vergessen. Ein erhebendes Gefühl! Bereits auf Seite 1 holten mich einige Rechtschreibfehler in die Realität zurück. Selbst nach dem fünften Lesen der Seite waren mir diese Fehler nicht aufgefallen. Egal. Ich gab das Buch meiner Frau zum ersten Lesen und sagte ihr, sie solle die Fehler, die sie feststellt, mit einem Textmarker kennzeichnen. Als sie das Buch gelesen hatte, waren die Seiten kunterbunt. Ich machte mich an die Korrektur des Textes und stellte dabei nochmals die Handlung um. Mittlerweile waren sieben Monate ins Land gegangen und der zweite Druck bei epubli lag in meinen Händen. Ich gab das Buch meiner Tochter, die nochmals einige Fehler feststellte und korrigierte.

Verlagssuche. Veröffentlichung!

Jeder, der ein Buch schreibt, möchte der restlichen Welt seine geistigen Ergüsse mitteilen! Die Leserschaft wartet darauf, oder nicht? In Deutschland werden jedes Jahr circa 97.000 Bücher veröffentlicht! Keine Panik! Dann sind es eben 97.001. Aber wer verlegt die vielen Bücher? Große Verlage, ich nenne hier keine Namen, einfach selbst recherchieren, wollen Geld verdienen. Man hat es als Neuautor schwer, an die großen Verlage zu kommen. Manuskripte von Neuautoren liegen dort stapelweise auf den Schreibtischen. Ich habe mir nur einmal die Mühe gemacht, das Manuskript in Normseiten zu bringen (30 Zeilen zu je 60 Zeichen insgesamt also 1800 Zeichen pro Seite) und an einen Verlag zu schicken. Der Name des Verlages sei unerwähnt, ist auch egal. Dort lag das Buch lange Monate. Nachfragen wurden nicht beantwortet. Also suchte ich mir einen Verlag, der es Autoren ermöglicht, im Rahmen des Selfpublishing in Kleinauflagen zu veröffentlichen. Nach langer Suche stieß ich auf den tredition-Verlag in Hamburg. Es gibt weitere Book-on- demant-Verlage wie Sand am Meer. Sie alle aufzuzählen, erspare ich mir.

tredition-Verlag in Hamburg. Erfahrungen.

Bei tredition fand ich mich sofort richtig aufgehoben. Ich mache hier keine Werbung für tredition, sondern schildere meine Erfahrungen im Rahmen meiner Erstveröffentlichung. Ich hatte mittlerweile Witwentod zum dritten oder vierten Mal überarbeitet, das Cover neu erstellt, und entschied mich für eine Veröffentlichung bei tredition. Die Software auf der Homepage bei tredition erleichtert das Veröffentlichen sehr. Es gibt zahlreiche Hilfen, die einem den Veröffentlichungsprozess erleichtern. In einfachen Schritten werden der Text und das Cover hochgeladen. Für ein recht geringen Betrag (149 Euro) wird das Buch veröffentlicht und in den Handel gebracht. In allen großen Online-Buchhandlungen wie buch.de, thalia, amazon usw. erscheint nach einer Woche der Roman. Was mich bei tredition störte, war der Preis des Taschenbuches, den man selbst im Veröffentlichungsprozess festlegen kann. Bei 332 Seiten und im Format 12×19 cm gab der Kalkulator 12,99 Euro als Verkaufspreis vor. Mein Verdienst pro Buch war dagegen relativ gering. Das war mir aber egal, denn es ging mir um die Veröffentlichung meines Erstwerkes. Also wurde der Roman veröffentlicht, der Autorenvertrag geschlossen und Witwentod erschien im Buchhandel.

Findet das Buch Käufer? Wie reagieren die Leser? Rezensionen.

Ich muss zugeben, dass ich jeden Tag in den Account bei tredition schaute, ob der Verkauf losging. Er ging los! Nach der ersten Woche wurden drei Bücher an den Mann oder die Frau gebracht. Einige Zeit später tauchte bei amazon die erste Rezension auf. Fünf Sterne! Ich war überrascht und dachte, guter Start! Nur eine Woche später kam die zweite Rezension: 1 Stern und reichlich Kritik. Natürlich erwartete ich konstruktive Kritik, allerdings wurde das Buch schonungslos verrissen. Und jetzt? Mein Tipp für alle Neuautoren: Ruhe bewahren! Rezensionen sind ja ganz nett und wichtig. Man sollte aber gelassen bleiben und sich nicht vom Weg abbringen lassen. Lieber an sich arbeiten und vielleicht darüber nachdenken, ob es beim zweiten Buch besser läuft. Mittlerweile, der dritte Roman ist veröffentlicht, habe ich diese Gelassenheit gefunden und tatsächlich werden auch gute und hilfreiche Rezensionen von Lesern geschrieben. Ist doch toll!

E-book Version. Neue Veröffentlichung zum kleineren Preis.

Ich veröffentlichte Witwentod nach einigen Wochen ebenfalls als e-book bei tredition. Da der Verkaufspreis um einige Euro günstiger lag, stiegen auch die Verkaufszahlen und der Roman ist mittlerweile in über einhundert e-book-stores zu bekommen.

Wie verlief es weiter?

Mein letzter Roman Brautmorde, der Emsland-Krimi, wurde im November 2012 veröffentlicht. Meine Erlebnisse zur gleichzeitigen Verlagseröffnung des Krischak-Verlages schildere ich hier später.